• Oilenköper

Club 27 – Der Eintritt kostet nur das Leben

„Im Club 27, in der Bar, die niemals schläft, in die Jukebox wirft man Träume und der ganze Laden schwebt. Da kommst du nur rein, wenn du zu früh gehst.“

(Aus Club 27 von Thees Uhlmann)



Das Leben hat noch nicht stattgefunden


Der Club 27 ist ein exklusiver Verein. Ein Zusammenschluss von Künstlern. Der Eintritt kostet nicht weniger als das Leben. Doch was ist das Besondere daran mit 27 zu sterben? Sicherlich sterben jedes Jahr tausende in diesem Alter. Doch ist es gleicher Sicherheit nicht so, dass diese Menschen sich das aussuchen. Vielmehr bedeutet der Tod mit 27 in den allermeisten Fällen, dass das Leben noch gar nicht richtig stattgefunden hat.


Bei den Berühmtheiten, die diesen Club ausmachen, scheint das zunächst anders zu sein. Immerhin haben diese zeitlose musikalische Schätze hinterlassen. Sind jahrelang über die ganze Welt getourt, haben in der Menge gebadet und in damaligen Verhältnissen auch ein beachtliches Einkommen erwirtschaftet.


Der Blick zum Himmel


Also woran starben sie? Den Anfang machte damals der heute kaum noch bekannte Brian Jones von den Stones. Es folgten Jimi Hendrix, der sein letztes Konzert in Norddeutschland – genauer auf Fehmarn – gab, Janis Joplin und Jim Morrison, dessen Grab ich 2019 in Paris besuchte. Bei jedem Einzelnen von ihnen waren Drogen am Tod beteiligt, wenn auch nicht immer die endgültige Ursache.

Sie kämpften gegen innere Dämonen. Einer wie ich, mit Haus und Garten, kann das wohl nicht nachvollziehen, was in deren Dimension geschieht. Doch als ich 27 war, da hatte ich das alles auch nicht. Ich stand aber wie heute noch immer, nur unten vor der Bühne, den Blick nach oben gerichtet. Zu den Helden mit den Gitarren, zum Himmel.


Vor 27 Jahren mit 27


1994, und zwar heute vor genau 27(!) Jahren, starb Kurt Cobain. Er beging Suizid. Wer sich ein bisschen mit Nirvana beschäftigt hat, weiß, dass Cobain mehr als nur ein Problem hatte. Sein Eintritt bei den 27ern war der erste, den ich als „Fan“ aktuell mitbekam. Cobain wusste, wie man Trauer und Wut vertont. Er sprach Millionen von Teenagern aus der Seele. Vielleicht hat er so mehr Leben gerettet als das eine, das er genommen hat – sein eigenes.


Den letzten prominenten Zugang erhielt die geniale Entourage vor zehn Jahren. 2011 starb Amy Winehouse an einer Alkoholvergiftung. „They tried to make me go to Rehab / But I said no, no, no!“ sang sie 2006 in ihrem Chart-Erfolg Rehab. Und ich weiß noch ganz genau, wie das Lied abgefeiert wurde. Doch hatte sich irgendjemand überhaupt Gedanken darüber gemacht, was das bedeutete?


Abschließend ist es wenig erstrebenswert, diesem Zirkel beizutreten. Bei allem Erlebten und erfolgreichen Hinterlassenschaften, lebten diese Menschen wenig für sich. Und im steten Mittelpunkt der Aufmerksamkeit einer voyeuristischen Gesellschaft, blieb diesen gequälten Seelen nur der Griff zu Alkohol, Heroin und Schlaftabletten. Oder zur Flinte.


Der Tag der Wiederauferstehung


Heute ist der Ostermontag 2021. Draußen vor dem Fenster tobt ein Hagel-/Schnee-/Irgendwassturm. Für Christen ist es der Tag der Wiederauferstehung Christi, für mich ein Tag zum drinnen bleiben. Dass ausgerechnet heute ein Kurt Cobain vor genau 27 Jahren mit 27 gestorben ist und ein Song veröffentlicht wird, in dem an zu früh gestorbene Musiker erinnert, kann kein Zufall sein. Benjamin von Stuckrad-Barre und Robin Grubert schrieben den Song vor einigen Jahren und Thees Uhlmann trägt ihn nun vor.


Natürlich ist es kein Zufall, dass dieses 27er-Datum gewählt wurde. Und wohl auch nicht, dass genau dieser Interpret für die Intonation ausgewählt wurde. Denn dieser Song könnte auch aus seiner Feder stammen. So wird der Song mit der für ihn typischen hoffnungsvollen Melancholie vorgetragen, mit der er bekannt, nein berühmt geworden ist.


Der Schnee ist weg


Thees Uhlmann ist ein Akrobat. Er balanciert perfekt zwischen Frohsinn und Trübsal ohne seine Hörer traurig werden zu lassen. Auf der Bühne sind seine lustigen Geschichten zwischendurch wie das Sicherheitsnetz in der Zirkusmanege. Das braucht er heute nicht.

„Da kommst du nur rein, wenn du zu früh gehst“, singt Thees Uhlmann und weiter: „Ich sag Ok, da komm ich wohl zu spät.“ Ich auch. Heute ist Ostermontag. Kurt Cobain wird gleich durch meine Anlage wiederauferstehen. Draußen scheint die Sonne. Der Schnee ist weg.


Der Oilenköper

10 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
 

©2020 Oilenköper. Erstellt mit Wix.com

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now