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Moshen wie 2019 – Das Streetz Open Air 2021



Der gallische Vergleich musste zwar 2020 schon herhalten, doch ohne ihn geht es auch dieses Jahr nicht. Ganz Deutschland sagt seine Festivals ab. Ganz Deutschland? Nein ein kleiner Ort im Landkreis Lüchow-Dannenberg stellt ganz einfach ein Zwei-Tage-Event mit Camping(!) auf die Beine und lädt zum Moshen ein. Und zwar Moshen wie 2019. Ohne Masken, Ohne Abstand. 3G macht's möglich.

Schon am Freitag beim Betreten des Campingplatzes wird schnell klar: Die erste Party wurde bereits gefeiert. Back at the funny farm. Leere Bierdosen und benutzte Grills säumen die Vorplätze der Camps, wo die Bewohner trotz augenscheinlich harter Nacht ihre gute Laune zelebrieren. Was seit zwei Jahren nur noch in der Erinnerung existierte, erwacht vor den eigenen Augen wieder zum Leben.

Der Einlass zum Infield ist unkompliziert. Die persönlichen Daten müssen hinterlassen und eines der Gs nachgewiesen werden. Taschen werden kurz gefilzt und dann geht es schon rein. Dort ist natürlich für das leibliche Wohl gesorgt, aber auch kleine Stände im Jahrmarktstil wurden eingerichtet. Auf einem großen Auflieger hat Radio Jack sich eingerichtet und sendet die St.O.A.ker-Welle. Außerdem ist hier Karaoke möglich …

… die in den Auf- und Abbaupausen auch gut genutzt wird. Martin, Vize-Präsi der RestbeHstanD-Supporters, ist dabei ganz besonders fleißig. Von Böhse Onkelz bis Papa Roach wird dort alles durch die Fans geschmettert. Das sorgt für gute Stimmung auf den Bänken, die letztes Jahr noch direkt vor der Bühne standen.

Wo nun aber wieder gestanden, getanzt und gemosht werden darf. Ein herrlicher Anblick. Auch wenn hier und da mal die Technik streikt, am Ende klappt alles und die Bands wachsen voller Spielfreude über sich hinaus. Die lange Pause, die die Musiker seit März 2020 einlegen mussten, ist ihnen nicht anzumerken. Stellvertretend für eine großartiges Line-up, können hier vier Auftritte noch einmal nachgelesen werden: Jedermanntherapie / Erzengel / RestbeHstanD / Act of Creation

Am Samstag steigert sich das Gesamtpaket noch mal. Mehr Besucher, mehr Moshen, mehr Bier! Spätestens beim Auftritt der Streetzer Inventar-Österreicher von RestbeHstanD brechen alle Dämme. Circle Pits und ausgelassenes Gegröle übernehmen den Platz. Bei Act of Creation wird das Haupthaar geschüttelt, dass die Schuppen fliegen. Hände auf die Becher!

Das Fest dauert bis tief in die Nacht hinein und ein anstehender Kater wird von allen Beteiligten billigend in Kauf genommen. Das Bodenständige auf dem Streetz Open Air besticht. Es gibt keine Berührungsängste zwischen Bands und Besuchern. Es wird sich ausgetauscht und gefachsimpelt. Alle vereint die Liebe zur Musik.

Natürlich gab's im Vorfeld für einige trotzdem Grund zum Meckern. „Ich bin gesund, ich lass mich nicht Testen“ oder „Die Impfung ist nicht sicher, wirkt nicht, etc...“ war zu vernehmen. Ja, dann bleib halt weg. In Streetz wurde am vergangenen Wochenende eine Party gefeiert, die den Anwesenden – ob Besucher, Musiker oder Veranstalter – ein Leuchten in die Augen gezaubert hat.

Man muss an dieser Stelle allerdings betonen, dass es mehr Besucher hätten sein müssen. Unbegreiflich, dass man sich nach dieser langen, entbehrungsreichen Zeit, eine solche Gelegenheit entgehen lässt. 14 Bands waren angetreten und haben das Rock- und Metal-Spektrum in seinem Facettenreichtum breitbandig abgebildet. Wer war schon mal auf einem Festival, auf dem alle Bands den persönlichen Geschmack hundertprozentig getroffen haben? Der Oilenköper nicht.

Dann diese Diskussion um eventuelle Grauzonen-Bands. Ja, es war eine Band vom Frei.Wild-Label „Rookies&Kings“ gebucht. Die Jungs von Grenzen/Los sind aber politisch nie negativ aufgefallen. Wem die Musik nicht gefällt, der könnte sich in der Zeit des Gigs am eigenen Zelt ein bisschen ausruhen oder an den Merch-Ständen der anderen engagierten Bands umsehen und sie finanziell unterstützen.

Denn was heute oft für selbstverständlich genommen wird, gründet sich auf den unermesslichen Einsatz des veranstaltenden Streetzrock e.V. um Festivalgründer Stephan Dabrowski, die unterstützenden Partner und natürlich die Musiker, die teils sehr lange Anfahrten hatten. Der Oilenköper wünscht sich weniger Gelaber und mehr Anerkennung für die harte Arbeit, die mal wieder im Wendland geleistet wurde.

Die lobenden Worte waren aber, um es mal deutlich zu machen, weit in der Überzahl. André, der als Sänger mit seiner Band RAZZOR im vergangenen Jahr hier auftrat, sagt zum Beispiel: „Ich habe den Eintritt gerne bezahlt, ich möchte das hier unterstützen. Die Bands waren auch alle gut, die wussten was sie tun.“ So geht’s doch auch.

Der Oilenköper


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