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Unbeugsam und ungeniert - "Sind das noch wir?" von DIE DORKS


Vor ungefähr einem Jahr erschien das letzte Studioalbum der Dorks, „Die Maschine von morgen“. Damals kam die Scheibe für ein Punk-Album viel zu hart rüber, zu verspielt mit zu langen Liedern. Der Metal war endgültig in der Band angekommen. Gleichzeitig hatte der Oilenköper die Gruppe aus Bayern in der ersten und bislang einzigen Folge des „Punkergrounds“ vorgestellt. Und jetzt, ein Jahr später, ist der Strom abgestellt und eine Akustik-EP mit Namen „Sind das noch wir“ wird veröffentlicht. Kein Strom heißt in diesem Fall jedoch garantiert nicht, dass weniger Energie in die Musik geflossen ist.



Die Dorks zeigen sich in den vier Songs doppelt mutig. Zum einen ist es das Risiko, dass das herkömmliche Punk- und Metal-Publikum eine Akustik-EP nicht annimmt und zum anderen sind es die Texte, die sehr persönlich sind und einen tiefen Einblick in eine zweifelnde Seele zulassen. Drei Songs sind bereits erschienen und sind auch auf YouTube als Videos zu sehen. Der letzte Song wird dann am kommenden Freitag, 20. Mai, veröffentlicht. Die Dorks selbst sagen über ihre Beweggründe folgendes: „Pandemie, Isolation, Klimakrise und Krieg. Es wird zunehmend herausfordernder, sich positiv mit der Welt auseinanderzusetzen. Ständig wechselnde, aber in der Summe stets wachsende Herausforderungen führen zu bis dato unbekannten Emotion und um diesen neuen Gefühlen musikalisch Ausdruck verleihen zu können, bedarf es manchmal eben neuer Methoden.“


Ja und diese unbekannten Emotionen sind zum einen Angst und Trauer und Zweifel, doch jeder Song schürt auch den letzten Funken an Hoffnung, der noch in jedem Menschen schlummert und sich durch Mut und Kraft wieder zu einem Feuer entfachen lässt. Womit sollte das besser gehen, als mit Musik. Während es auf der „Maschine“ noch eher um das Du oder Er und Sie ging, geht es auf der „Sind das noch wir“ um das Ich. In „Nicht alles gesagt“ geht es um das eigene Leben, das eine Bürde sein kann. Über Selbstzweifel, die sich nicht so einfach besiegen lassen, aber vor allem geht es darum, dass es jeden Tag einen Grund gibt weiterzumachen. Denn bei allem Elend (nicht Mark) gibt es immer schöne und helle Flecken zu entdecken.


In der logischen Folge drehen sich die nächsten Songs „Keine Angst vor der Nacht“ und „Wenn wir unsere Tränen sehen“ darum, dass man den eigenen Mut auf den zweifelnden Gegenüber übertragen kann, wie man sich gegenseitig helfen kann zu finden, was einem gut tut. Und wenn es nur das gemeinsame Weinen ist, das sich viele nicht trauen. Der letzte Song ist ein Gruß an die Fans der ersten Stunde, eine Akustik-Version des Klassikers „Dreckige Saat“. Das Thema ist typisch für die Szene. Es geht um das Unangepasstsein, das Unbeugsame im Innern.


Unbeugsam sind auch die Dorks, die hier mal wieder völlig ungeniert ihr ganz eigenes Ding durchziehen. Deshalb sei eine leise Kritik am Albumtitel gestattet. Die Dorks brauchen diese Frage „Sind das noch wir?“ garantiert niemandem stellen, außer sich selbst. Und wenn der Oilenköper diese Frage beantworten müsste, würde er sagen: „Natürlich. Hör dir die Texte an! Verdammt noch mal.“


Der Oilenköper

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