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Weihnachtsparty! – Review zum Weihnachtsalbum „Santa Claus“ von den BROILERS


Weihnachten ist noch lange hin? Nein, Weihnachten kann ab sofort in den Gehörgang geleitet werden. Denn die BROILERS aus Düsseldorf veröffentlichen heute (12. November 2021) ihr neues Weihnachtsalbum „Santa Claus“. Der Name ist dabei eine Anspielung an das erfolgreiche Album „Santa Muerte“ aus dem Jahr 2011. Doch wie viel Oi und Punk darf denn nun im Festtagsgewand erwartet werden?


Die Platte besteht aus insgesamt 12 Coversongs sowie 2 neuen Nummern aus der Feder von Sänger und Gitarrist Sammy Amara. Zu Beginn gibt es ein kurzes Intro mit der Melodie des bekannten Stücks „Carol of the Bells“. Zarte Stimmen hauchen kleine Oi!s durch die Lautsprecher und wecken die Lust auf mehr. Geht es zum Fest etwa ein wenig back to the Roots?


Und tatsächlich, die folgenden Nummern „Feliz Navidad“ und „Christmas Time (again)“ sorgen im Ska-Mantel für wahrlich feierliche Stimmung! Das hebt die Laune und bringt das mit Glühwein (Donner & Blitzen, eine Flasche im Fan-Paket) gestreckte Blut in Wallung. Darauf folgt das erste eigene Lied „Grauer Schnee“, das vorab als Single veröffentlicht wurde. Im amüsanten Text wurden allerlei Klischees zum Weihnachtsfest verarbeitet und im Video gibt es auch eine Hommage an den wohl meistgesehenen Film aller Zeiten: Christmas Vacation (Schöne Bescherung). Dazu später noch mehr…


Hätte ich mir für die Auskopplung ein bisschen mehr Gitarre gewünscht, wird nun klar, wo sie geblieben ist. „Driving Home for Christmas“ ist eine straighte Rocknummer geworden, die einen vielleicht auch mal ankommen lässt. Hier wird die Weihnachtsparty vorangetrieben. Chris Rea, aufstehen!


Der Pogues-Klassiker „Fairytale of New York“ bewegt sich dicht am Original und macht damit nichts falsch. Ein großartiger Song, der eine Dropkick-Murphys-Atmosphäre heraufbeschwört. Kein Wunder also, dass die Bostoner den Song ebenfalls schon gecovert haben. „Santa Claus is coming to Town“ ist eine schöne Punkrockversion geworden und wird mit ein bisschen lustigem Gesabbel von Sammy Claus eingeleitet. Bei der LP endet hier die Seite A.


Wenn das Album einen schwachen Moment hat, dann ist es der Beginn der Seite B. „Christmas (Baby please come Home)“ traf meinen Geschmack noch nie so richtig und auch die BROILERS-Version haut mich nicht vom Hocker. Dafür geht’s danach richtig los. „Christmas Vacation“, der Titelsong des großartigsten Films aller Zeiten, zündet den Baum an (irgendwer?)! Und wie!


Kurze Zeit zum Durchatmen und Punsch holen bietet dann die Piano-Version des Ramones-Hits „Merry Christmas (I don’t wanna fight tonight)“. Das kann man so machen. Dann geht die Party weiter. „Mele Kalikimaka“, das auch in Christmas Vacation gespielt wird, greift so langsam das Ska-Thema vom Beginn wieder auf. Voll zur Geltung kommt der Stil aber erst beim folgenden „Oi! to the World“. Einst als reiner Punkrock der Vandals bekannt geworden, kommt bei dieser Version unvermittelt ein NOFX-Feeling auf.


Der alte Kinks-Song „Father Christmas“ ist ja so schon ziemlich gut, doch das moderne BROILERS-Gewand steht ihm ausgezeichnet. Wir nähern uns dem Finale. Der letzte Song ist dann der zweite eigene. Begrüßenswert ist, dass Auld lang Syne nicht einfach noch mal gecovert wurde. Es ist ein eigener, deutscher Text, der „Vor Mitternacht“ auszeichnet. Lediglich im Refrain kommt der alte Song zur Geltung. Und wir denken an alle, die uns dieses Jahr verlassen haben …


Trotz des melancholischen Finales, ist die Platte ein echter Stimmungsmacher geworden und bildet über 14 Songs ziemlich gut die musikalische Bandgeschichte ab. Jesus mag an Weihnachten geboren worden sein, doch nur wer die BROILERS hat, hat das Leben. Ich freue mich aufs Fest.


Der Oilenköper

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